Dubai mit Baby #1

Eine Familienreise mit Baby, nach Dubai, das ist mega spannend und ein kleines Reisetagebuch wert. Findet auch Biba. Biba ist Hannahs bester Freund, ein vom WWF gerettetes Murmeltier, das viel lieber ein Biber wäre. Ein Geschenk vom Götti (in Deutschland ist das der Patenonkel).
„Hey, ab in den Süden, der Ausbeutung hinterher“, singt Biba, der kleine Zyniker, schon am Morgen der Abreise voller Vorfreude.
Vor uns liegt ein 10tägiger Ausflug, raus aus der herbstlichen Kälte der Schweiz, rein in die herbstliche Hitze der Vereinigten Arabischen Emirate. Unser Ziel ist Dubai. Es ist Urlaub, gepaart mit einer Fortbildung, viel Austausch und Improvisation. Und es ist der erste Test, ob eine weite Reise mit Baby und Flugzeug funktionieren kann. Aufregend, immerhin werden wir mindestens sechs Stunden im Flugzeug verbringen. Schon die Vorbereitungen sind aufwendiger als gewöhnlich. Das Packen – ein logistischer Meisterakt.

Koffer packen? Nein danke!

„Du Motherfucker hast doch so gut wie nichts packen müssen, hat alles deine Alte gemacht“, sagt Biba, während ich die ersten Sätze dieses Beitrags schreibe und er mir dabei kritisch über die Schulter schaut.
„Danke, Biba“, antworte ich. „Meine Alte hat einen Namen, sie heißt Simone.“
„Weiß ich doch, du Penner. Du bist nämlich der Alte! 37, ein altes Kamel bist du.“
Biba hat Recht. Mit dem Alter und mit dem Koffer packen. Ich und Koffer packen, das ist keine gute Kombi. Nein, für mich ist es eher eine Qual. Wohl dem, der eine organisierte Partnerin hat, die sich im Vorfeld ausreichend Gedanken macht. Für die Bedürfnisse des Babys, sich selbst und auch noch für mich. So klappen Vorbereitung, Anreise zum Flughafen, Checkin und Boarding problemlos. Dann kommt der Start und der ist mit Baby so eine Sache, denn auch das Baby muss einen Druckausgleich leisten, hat aber natürlich keine Ahnung davon, dass es das tun muss.

Nuckeln zum Druckausgleich

Ein Nucki verschafft Abhilfe. Da wird einfach ein bisschen fester gesaugt und schon sind wir über den Wolken, ohne dass das Baby Probleme hat. Hannah sitzt auf Mamas Schoss, Biba zunächst im Gepäckfach. Das gefällt Biba gar nicht, weshalb er lautstark von innen gegen die Klappe schlägt und umgehende Freilassung fordert: „Lasst mich raus, ihr Penner! Ich will zu Hannah, wenn ich schon nicht First Class fliegen darf.“
Nachdem er das Gepäckfach von innen verwüstet hat und die Klappe von allein abfällt, klettert Biba heraus und setzt sich zu Hannah. Die liegt mittlerweile in einem Reise-Babybett, das uns die Swiss zur Verfügung gestellt hat. Ein tolles Angebot. Die anderen Fluggäste schauen Biba irritiert an.
„Braucht ihr gar nicht so dämlich zu gucken, ihr dekadenten Weltzerstörer. Habt ihr mal über eure Ökobilanz nachgedacht?“, sagt Biba.
Ich weise Biba freundlich darauf hin, dass Hannah wach ist. Biba versteht und schweigt. Er ist manchmal etwas grob in seiner Wortwahl, aber Hannah gegenüber ist er ein Engel. Ihr Beschützer. Und das die Swiss kostenlos ein Babybett zur Verfügung stellt, das findet auch Biba nice.
„Jawoll, Motherfucker, da kann ich nämlich während des Flug easy chillen.“
„Biba!“, ermahne ich ihn ein weiteres Mal.
Biba nickt und singt ein Schlaflied vor: „Ihr Europäerlein kommet, oh kommet doch, zum Shoppen nach Dubai, in die großen Malls.“
Freude auf Kosten von anderen?

Nach einer Weile schläft Hannah ein, Biba auch. Er hat mittlerweile zwei Gin Tonic getrunken, die er bei der Stewardess geschnorrt hat. So können Simone und ich in Ruhe essen. Zu unserer grossen Überraschung stammt ein Teil des Essens von unserem Lieblings-Vegirestaurant Hiltl. Damit haben wir nicht gerechnet. Alles ein wenig kleiner als gewohnt, aber trotzdem eine grosse Freude. Überhaupt ist die ganze Reise eine große Freude.
„Was für ein Geschenk, dass wir Zeit haben, um mitten im Herbst nach Dubai zu fliegen“, sage ich glücklich.
„Geschenk? Du bist einfach ein verwöhnter, fauler Westler mit zu viel Geld auf der hohen Kante. Und jetzt machst du Urlaub auf Kosten von armen Wanderarbeitern, die dir das Zimmer sauber machen und dein Essen kochen“, antwortet Biba im Halbschlaf. „Denk da mal drüber nach.“

Breakdance auf dem Wickeltisch

Dazu bleibt keiner Zeit, denn Hannah wacht auf und macht klar, dass etwas nicht stimmt. Ihre Pampers ist voll. Auf zum Wickeltisch. Wobei Tisch nicht der richtige Begriff ist. Über der Toilette ist ein kleines Klappbrett aus Kunststoff angebracht, welches einfach heruntergeklappt (deashalb heißt es Klappbrett) werden kann. Die Größe kann ich nicht genau einschätzen. Vielleicht 50 x 80 cm. Ziemlich genau so lang wie Hannah, die das Brett für eine Turnmatte hält. Und so wird wieder einmal ein kleiner, dreidimensionaler Wickeltanz aufgeführt. Hätte es einen Beat im Hintergrund, es wäre ein ziemlich cooler Wickel-Breakdance. Nicht der letzte an diesem Tag.
Es läuft wortwörtlich rund. Nach sechs Stunden Flug kommen wir heil und zufrieden in Dubai an. Mitten in der Nacht. Die Uhr wurde mittlerweile um drei Stunden vorgestellt. Was uns erwartet: Ein Ort, wie wir ihn zuvor noch nicht erlebt haben. Es ist warm und dunkel draußen. Wir fahren mit der Bahn zum Hotel. Männer und Frauen fahren in getrennten Abteilen. Wenn der Mann im Frauenabteil steht, kostet ihn das 100 Dirham, umgerechnet ca. 25 Euro. Das Frauenabteil ist Pink gekennzeichnet. Ich begreife sofort: Dubai ist ein verrücktes Stück Erde, über dass es sich definitiv zu berichten lohnt.

Wie es weitergeht und warum wir von unserem Appartement aus auf eine Ski-Halle inmitten dieses verrückten Emirats schauen, das erzählt schon bald Teil 2 der Reihe „Dubai mit Baby“. Allerdings nur dann, wenn ich nicht vorher verhaftet werde, weil ich Simone in der Öffentlichkeit aus Versehen küsse. Aber das ist nochmal eine ganz andere Geschichte…

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