Dubai mit Baby #2 – Taxifahrt ins Ungewisse

„Alles Fucking-Fake! Diese ganze Stadt gibt es nur, weil irgendjemand mal Öl im persischen Golf gefunden hat“, sagt Biba nach einem weiteren Tag in Dubai. Er hat recht. Wären Barbie und Ken arabischer Herkunft, ihre Barbie-Heimat wäre Dubai-City.

Eine Stadt, die innerhalb weniger Jahrzehnte komplett aus dem Boden gestampft wurde. Eine Millionenmetropole, auf Sand gebaut. Alles macht Bling-Bling. Jedenfalls in Neu-Dubai, den Rest habe ich noch nicht gesehen. Hier gibt einige sehr reiche Menschen und die große Masse, die dafür sorgt, dass dieser Reichtum gut umsorgt wird.

Das ist jetzt alles sehr schnell und vermutlich wenig differenziert zusammengefasst. Doch allein die Vorstellung, dass ein Ort, der 1930 gerade einmal 20.000 Menschen (die meisten „Jobs“ gab es in der Fischerei und Perlentaucherei) heute knapp 2 Millionen Menschen ein Zuhause gibt, ist schwer fassbar. Eine ausführlichere Zusammenfassung der Geschichte Dubais findest du bei hallodubai.com.

Ich kann schon am zweiten Tag meines Aufenthaltes sagen: Ich bin fasziniert, abgestoßen, irritiert, neugierig und vieles mehr zugleich! Was Hannah denkt, weiß ich nicht. Sie ist zufrieden. Vermutlich, weil es ihr egal ist, wo sie ist, solange sie gut umsorgt wird. Und ganz sicher auch, weil einfach alle nett zu ihr sind. Hannah ist ein Sonnenschein und die beste Connecterin, die ich kenne. Egal ob Mann oder Frau, alle sagen schon nach wenigen Sekunden „Hello!“ zu ihr und viele greifen nach ihrer Hand. Hannah flirtet gerne.

„Willst du wissen warum Hannah zufrieden ist, Motherfucker?“, fragt Biba.
Ich nicke.
„Weil sie sich noch keine Gedanken über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit macht. Wenn du so ein Typ bist, dann biste hier am falschen Ort. Du bist ein Kabeltelefon im Apple-Store.“

Träume versus Überleben

Stimmt. Dubai ist ein Melting Pot, ein Ort, an dem Menschen Leben, überleben, träumen, ihr Glück suchen, verloren gehen. Die einen tragen Bauarbeiter-Helme und arbeiten mindestens 12 Stunden am Tag, stehen in Boutiquen herum und warten auf Kunden oder fahren Taxi. Die anderen shoppen und stellen ihren Reichtum zur Schau. Und die dazwischen hab ich noch nicht kennengelernt.

Unser Taxifahrer an diesem Tag ist ein Beispiel für die erste Gruppe. Ein Mann Anfang, vielleicht Mitte 50. Er greift uns vorm Hotel auf, um uns zum Theater zu fahren. Wir haben die Adresse, er hat kein (!) Navigationssystem, wir auch nicht. Wir fahren los. Er ist freundlich, lobt unsere schöne Tochter und erzählt, dass er vier Söhne hat. Zwischen 10 und 22. Seine Familie lebt in Pakistan, er arbeitet in Dubai. Ob alles wahr ist, weiß ich nicht, aber ich glaube ihm.

Irgendwo auf dem Highway biegen wir ab, wir sind nah am Zielort, dann biegen wir nochmal ab und wir wissen nicht mehr, wo wir sind. Wir sagen ihm, dass er den Taxameter abstellen soll. Er tut es. Wird sind schon bei 32,5 AED, knapp 8 Euro. War das alles Absicht oder nicht? Wir wissen es nicht. So oder so spüre ich Mitgefühl für dieses gestrandete Wesen. Und weiß mein Leben in der Schweiz mit allen Vor- und vermeintlichen Nachteilen noch mehr zu schätzen. Wir sagen ihm, dass er uns zurück zum Time Square Center fahren soll, das haben wir vor ca. 5 bis 10 Minuten passiert.

Teuere Güter überall

Irgendwann sind wir wieder dort und damit auch in der Nähe des Theaters. Wir entscheiden uns auszusteigen, bezahlen den Fahrer, orientieren uns, erkennen den Weg und laufen die letzten 30 Minuten zum Theater zu Fuß. Vorbei ein menschenleeren Geschäften, die gefüllt mit teuren Gütern (Autos, Kronleuchter, etc.) sind. Hannah immer bei uns. Die ist immer noch zufrieden, bestaunt die berauschende Umgebung, bestehend aus Millionen von Lichtern. Ich frage mich, ob sie sich später mal an all die Eindrücke wird erinnern können.

„Mensch Motherfucker, du fragst dich aber ganz schön viel“, sagt Biba.
„Ja, ich weiß, ich fühle mich auch gerade ein Stück weit verloren in dieser so fremden Welt. Alles ist so anders.“
„Dann vergiss doch einfach was sonst so ist und lass mal fünf gerade sein. Mach’s wie deine Tochter.“
Hannah geht es super, ich bin es, der überfordert ist. Ein Papa lost in Dubai.

Dubai ist eben ein Abenteuer für die ganze Familie, vor allem dann, wenn man sich außerhalb der Ressort- und Komfortzone bewegt. Wie es für uns und unsere kleine Familie weitergeht, das erzählt der nächste Beitrag, so denn es einen gibt. Denn insgeheim liebäugle ich damit, mir einen orangenen Luxusschlitten zu kaufen (siehe Bild oben), um damit nachts lautstark, mit flatterndem Tuch auf dem Kopf, über den Highway zu donnern. Ganz und gar im Konsumrausch verloren…

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