Der eierlegende, putzwütige Wollmilch-Eber

Ein „moderner“ Papi denkt über sich nach. Wer ist er? Warum ist er? Und wenn ja, wie viele? … Ich finde es immer noch herausfordernd, in der heutigen Zeit, mit einer emanzipierten Frau (mit eigenem Willen) an meiner Seite, meine Rolle als Vater, Mann und Partner zu finden. Liegt es an mir oder liegt es an der modernen Zeit? Früher war doch alles so schön klar. Die Frau kümmerte sich um Kind(er) und Haushalt, der Mann brachte das Geld nach Hause. Das ist noch immer mehr die Regel als die Ausnahme, aber es gibt eben auch immer häufiger die „modernen“ Väter, die Ausnahmen von der Regel. Väter, die mehr als nur die Versorger und Wochenend-Animateure sind. Ich zähle mich zu dieser Gruppe. Der moderne Mann und Vater, das Rolemodel für alle zukünftigen Väter in einer Welt, wo alle vollkommen gleich sind und jeder alles machen kann…

Es ist ein schöne Herausforderung ein „moderner“ Papi zu sein. Genauso oft ist es eine Überforderung. Ich soll (zumindest in meiner Idealvorstellung) kindgerecht, mit viel Zeit für den Nachwuchs (bald 16 Monate alt) präsent sein und erziehen (darf Mann noch erziehen sagen?), kenne daher am besten alle gängigen Elternratgeber auswendig, die ich natürlich immer doppelt gelesen habe – mit Ausnahme von Remo Largo, den hab ich natürlich 3x gelesen -, kümmere mich gleichzeitig mit um den Haushalt, erledige die handwerklichen Dinge rund ums Haus und bin dann noch aktiv im Freundeskreis und als liebender und fürsorglicher Partner, der auf einer Skala von 1 bis 10 stets eine 10 von seiner Partnerin bekommt. Ich arbeite effektiv und ausreichend, um genügend Geld für die Familie und berufliche Selbstverwirklichung zu bekommen. Ich bin flexibel (geistig und körperlich), weshalb ich regelmäßig ins Yoga gehe und abends und morgens Gehirnjogging mache.

Manchmal wäre ich gerne der deutsche Dwayne Johnson

Der perfekte Partner, Papa und Mann. Privat und beruflich ein Überflieger.

Außerdem bin ich gebildet, interessiere mich für Kunst und Kultur genauso wie für Fußball und Politik. Probleme lasse ich gar nicht erst aufkommen und wenn doch, dann bearbeite ich sie proaktiv und gekonnt. Kurz, ich bin der perfekte Mann, immer gut gelaunt (siehe Beitragsbild) und voller Energie, der eierlegende, putzwütige Wollmilch-Eber. Der deutsche „The Rock“ Dwayne Johnson (siehe Bild rechts). Bzw. ich wäre es gerne. Denn die Wahrheit ist: Beim Versuch dieser Eber zu sein, werde ich langsam aber sicher immer ein wenig hilf- und ratloser. Ich will ganz ehrlich sein, manchmal möchte ich am liebsten laut brüllen: EIN MODERNER MANN ZU SEIN (zu wollen) MACHT MICH WAAAHNSINNIG!

Wann ist ein Mann ein Mann?

Und dann frage ich mich Dinge wie: Wer bin ich? Was bin ich? Was sollte ich sein? Was kann ich sein? Was will ich sein? Was genügt? Ahhhhhhh! Ich hab nicht einmal ein eigenes Auto, welches ich am Wochenende waschen, polieren und aussaugen kann. Schlimmer noch, ich habe überhaupt keine Ahnung von Autos. Sie haben vier Räder (und ein Ersatzrad), sie fahren und kosten Geld, das ist mein Wissen über Autos. Bin ich überhaupt ein richtiger Mann? Oder doch mehr ein orientierungsloses, androgynes Mischwesen mit Penis?

Nach der einschränkenden Klarheit der eindeutigen Rollenverteilungen der Vergangenheit, die meine Großeltern noch voll und meine Eltern zum Großteil erleben durften und wollten, kommt nun für mich die große Überforderung. Meine Großmutter war Hausfrau, meine Mutter arbeitete wenige Jahre nach der Geburt ihrer beiden Kinder immerhin wieder Teilzeit in einem Steuerbüro, meine Partnerin und ich arbeiten und erziehen gleichberechtigt. Sie verlangt und erwartet Dinge von mir, die meine Großmutter nicht einmal hätte denken können, sie waren nicht ansatzweise in ihrem Erfahrungshorizont. Der Mann wickelt das Kind, der Mann umsorgt und pflegt das Kind, der Mann ist sanft, zutraulich und fürsorglich. Er ist nicht nur Mann, er ist auch Frau. Eine Mrau, ein Frann.

Wenn Bier und Pornos nicht gegen den Stress helfen

Vielleicht hätte ich niemals Erziehungswissenschaften studieren und in die Kunst des über sich selbst Nachdenkens eingeführt werden dürfen. Hach, wäre ich doch stattdessen lieber einfacher (Achtung Klischee!) Handwerker (oder einfacher Büroangestellter) und Familien-Vollversorger geworden? Mein Problem: Ich trinke so gut wie keinen Alkohol, Bier mag ich einfach nicht. Wenn überhaupt, dann mit Cola oder Sprite vermischt. Ich könnte den Frust und Stress nicht einfach am Abend vor dem TV im Suff ertränken oder später in der Nacht vor dem Heim-PC wegornanieren. Beides funktioniert bei mir nicht. Welch ein Dilemma!

Und ein Hilferuf. An alle „modernen“ Männer da draußen: Wie ergeht es euch? Wie ist euer Mindset als moderner Papi? Egal ob Akademiker, einfacher Angestellter oder Handwerker. Was tut ihr, um euch zu finden und treu zu bleiben? Habt ihr euch schon gefunden oder sucht ihr euch noch?

PS: Und wenn ihr einen guten Porno kennt, der auch mir helfen könnte, dann immer her damit… 😉

Wenn es dir als Vater manchmal ähnlich geht oder doch ganz anders, dann melde dich zu Wort. Vielleicht hast du ja sogar Lust und Zeit ein Teil von papapo (dem Papapodcast) zu werden?!

1 Comment

  1. martin 7. August 2018 at 22:38

    hej!
    toll geschrieben! So etwas braucht die Welt! Wir Väter/Männer müssen uns endlich emanzipieren!

    Reply

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.