Familie: Kraftspender oder Energiefresser?

Es ist Samstagmorgen, ich sitze am Flughafen in Düsseldorf und warte aufs Boarding. Gleich werde ich im Flugzeug zurück nach Zürich reisen, um nach dreieinhalb Tagen meine kleine Familie wiederzusehen. Ich war geschäftlich unterwegs. Als Schauspieler, Impulsredner, Todo-Abarbeiter. Ein schöner Ausflug. Und zugleich wieder einmal eine Reise, die mir viel über mich selbst, das Vatersein und die Gedanken andere Väter erzählt hat.

Durch meinen Blog und den Papa-Podcast komme ich in letzter Zeit mit immer neuen (Familien-) Menschen in Kontakt. Wenn sie erst einmal hören, was ich so mache, wie ich denke und erlebe, dann erzählen sie mir sehr schnell viele Dinge aus ihrem Leben. Immer wieder erfahre ich dabei, wie sehr das Leben als Vater (oder Mutter) mit Kind alles Bisherige in den Schatten stellt.

Das Familienleben kostet Kraft und gibt Liebe

Berufliche Dinge, die vorher anstrengend schienen, die viel Fokus verlangten, für Ängste und Zweifel sorgten, werden auf einmal weniger wichtig. Auch ich habe das so erlebt. Wer intensiv in einer Familie mit einem kleinen Kind (oder mit mehreren) zusammenlebt, wer sich voll darauf einlässt, der erfährt schnell, dass dieses Einlassen eine große und kraftraubende (Selbst-) Aufgabe sein kann. Zumindest temporär.

Ja, das Familienleben kostet Kraft, aber es gibt auch ganz viel neue Energie in Form von Liebe. Zumindest dann, wenn alle Beteiligten bereit sind zu wachsen. Das ist die Grundvoraussetzung für ein gelingendes Familienleben. Nichts ist wie es mal war, alles ist anders. Vor allem sorgt das Leben als Familie für einen Fokusshift. Zumindest bei mir. Dinge, die mir vorher unglaublich wichtig zu sein schienen, werden weniger wichtig bzw. ich gehe viel entspannter mit ihnen um. Die Wichtigkeit hat sich an einen anderen Ort verlagert.

Wow, Vielseitigkeit!

Dieser Shift bewirkt, dass das System Familie extrem viel Fokus bekommt. Das ist zugleich auch eine Gefahr. Vor allem, wenn ich sehr viel zuhause bin und mich in den Anstrengung dort zu verlieren drohe. Dann kann es schnell geschehen, dass alles innerhalb der Familie Mühsam wird. Denn ja, es ist oft einfach Mühsam. Es kostet Kraft. Gleichzeitig sind da immer wieder diese Energiemomente, diese wundervollen Augenblicke, die alles andere vergessen lassen. Diese bezaubernden Augenblicke zwischen aller Anstrengun.

Das alles erkenne häufig erst bewusst, wenn ich für ein paar Tage aus diesem intensiven Dasein als Familienvater mit viel Verantwortung ausbrechen kann. Dann sehe ich, was wir als Familie leisten und ich spüre, dass alles andere auf einmal viel leichter von der Hand geht als zuvor. Es klingt komisch, aber die Welt außerhalb der Familie kommt mir seit der Geburt meiner Tochter viel weniger anstrengend und wichtig vor.

Und wie geht es euch damit? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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