Dubai mit Baby #3 – Es war ein(e) Mall …

Gestern war Hannah shoppen bzw. hat anderen Menschen beim Shopping zugeschaut. Wir waren in der Dubai Mall, wieder so ein unfassbares Objekt in diesem Emirat. In der Mall gibt es über 120 Gastronomiebetriebe, unendlich viele Geschäfte, eine Kunsteisbahn mit Olympia- und Eishockeymaßen, einen musikgesteuerten Springbrunnen, eine 24 Meter hohe Wasserkaskade, ein Saal für Modenschauen, ein Multiplex-Kino mit 22 Sälen, ein Präsentationszentrum für Computerspiele, ein betreutes Kinder-Abenteuerland und vieles mehr. Sie ist aber nicht die Größte Mall der Welt, weshalb sie bald ausgebaut werden soll…

Für das Kinderabenteuerland ist Hannah noch zu klein. Für sie bedeuten Dubai und an diesem Tag der Besuch in der Mall vor allem tausende neue Geräusche, tausende neue Gerüche. Ich frage mich, wie sich das auf sie auswirkt? Es heißt, dass Babys sich nicht an der erste Jahr ihres Lebens erinnern können. Alles, was sie da erleben, ist nachher angeblich futsch. Ich bin mir sicher: Das stimmt nicht! Sie wird sich einfach anders erinnern als ich. Ich werde die Bilder, Gerüche, Eindrücke abspeichern und abrufen können, bei ihr geschieht das subtiler. Unsere Umwelt beeinflusst unsere Entwicklung und so ist Dubai nun ein Stück ihres Lebens, abgespeichert in Form von neuen Vernetzungen in ihrem Gehirn. Hannah ist ein bisschen Dubai!

“Ich bin auch Dubai, Motherfucker!”, sagt Biba. “Ich wär’ aber viel lieber ein Stück versiffte Eckkneipe, in mir selbst Bier trinken und “Ton Steine Scherben” hören, statt tibetischen Hilfsarbeitern beim Fensterputzer zuzuschauen.”

Eine zugewanderte “Einheimische” aus Frankreich berichtet mir, dass vor allem Tibeter die Fenster putzen, da sie an die Höhen und ans Klettern gewöhnt sind. Sie werden von außen an Seilen herabgelassen und putzen das weg, was der Wind an Dreck aus den Straßen und der Wüste an die Scheiben herangetragen hat.

Sim City in echt

In Dubai ist alles das Größte. Es muss das Größte sein. Das scheint mir ein Stück weit die Identität Dubais zu sein. Dort, wo vorher nichts war, stehen jetzt eben die größten und teuersten Dinge der Welt. Als wolle Dubai der Welt damit sagen “So, hier bin ich! Auf Wüstensand gebaut, modern und überhaupt das Größte!” Ein bisschen erinnert mich die ganze Stadt an das Spiel Sim City, in dem man innerhalb weniger Stunden am Computer eine Stadt aus dem Nichts aufbauen kann. Dubai ist dieses Spiel in der Echtweltausgabe.

“Das ist doch krank!”, schimpft Biba.
“Du könntest einen zuckerfreien Smoothie trinken, das wäre gesund. Oder einen Zitrone-Minze Limo, die kriegst du hier an jeder Ecke”, sage antworte ich.
“Penner, provier mich nicht, oder ich küsse dich in der Öffentlichkeit, dann kommen wir beide in den Knast und werden als Homos gefoltert.”

Dubai ist sicher. Die Gesetze sind klar und strikt. Kriminalität gibt es vor allem auf anderen Ebenen, im Business, sonst wäre so etwas gar nicht möglich. Viele einfache Menschen die hier arbeiten, haben keinen Pass für die VAE (und auch keinen EU-Pass oder vergleichbar “hochwertige” Papiere) und können sich so etwas wie Kriminalität nicht leisten. Die Einheimischen brauchen sie nicht, ihnen geht es gut. Das hat mir Mustafa gesagt. Ein Inder aus Katar, der in Dubai auf Jobsuche ist. Wieder einmal wird mir die Andersheit dieses Fleckchens Erde bewusst, während Hannah auf meinem Schoss vor sich hin döst.

Urlaub hier, Überleben dort

In der Zeit, in der wir hier “Urlaub” machen, werden wir von anderen umsorgt, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, um ihre Familien durchzubringen. Die Welt ist ein verrückter Ort. Ich bin voller Dankbarkeit, dass ich dieses Leben leben darf. Und ich bin voller Ehrfurcht vor denen, die jeden Tag hart für ihr Dasein arbeiten müssen. Ich drücke Hannah fest an mich und schaue auf mein Handy.

Ich habe in diesem Urlaub das neue iPhone 8 Plus dabei, mit dem ich viele Fotos mache. Dieses iPhone ist im Vergleich zu dem ganzen Reichtum, der in Dubai vorhanden ist, wertlos. Gleichzeitig ist es so viel Wert, dass einer der schätzungsweise 50.000 Hilfsarbeiter in Dubai sieben Monate dafür auf einer Baustelle schuften müsste. So etwas ist schwer in Worte zu fassen.

Ich werde die Fotos später dazu nutzen, um Hannah von unserer Reise zu erzählen. Und dann werde Hannah fragen, ob sie sich an etwas erinnern kann. Vermutlich nicht bewusst. Zum Glück kann ich mich erinnern und so werde ich meine Erzählung mit folgenden Worten beginnen: “Liebe Hannah, es war ein(e) Mall…” Denn so fangen alle gigantischen Geschichten in Dubai an.

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