Dubai mit Baby #5 – Ab ins Spital!

Da saßen wir eben noch vor der Waschmaschine und dachten uns “Alles wir gut”, zack, kommt das Fieber wieder. Und Hannah hat immer noch nichts getrunken. Sie wird zusehends schlapper und liegt am Ende des Tages mehr oder weniger apathisch im Bett. Was tun? Wir machen uns schlau, versuchen Ratschläge einzuholen, telefonieren mit einer Kinderärztin in Deutschland. Das bringt uns viele Infos aber auch ganz viel Durcheinander im Kopf.

Ist es das 3-Tage-Fieber? Dann wäre es bald vorüber. Aber bald ist ein dehnbarer Begriff. Jetzt gerade machen wir uns doch Sorgen, denn unser Baby liegt da und ist ganz anders als wir gewohnt sind. Die kleine Powermaschine ist out of power. Erinnerungen an unseren problematischen Start bei der Geburt kommen zurück. Ein Stück weit auch Hilflosigkeit. Wann haben wir genug gewartet und versucht sie mit Flüssigkeit zu versorgen? Wann sollten wir konkrete, externe Hilfe suchen?

Auf ins Spital

Die Antwort: Um 4 Uhr in der Nacht bzw. am Morgen! Simones Bauch sagt “Wir müssen jetzt gehen, es wird nicht besser, los!”. Und so rufen wir ein Taxi und lassen uns durch die Nacht Dubais in die Notaufnahme des “Saudi German Hospital” fahren. Dort gibt, es anders als der Name es vermuten lässt, zwar keine Deutschen (jedenfalls nicht in der Nacht), aber das Spital wurde uns empfohlen. Geschlafen habe ich zu diesem Zeitpunkt eine Stunde, Simone gar nicht. Von unserem Hotel aus sind es gerade einmal zehn Minuten zum Spital. Es hat eine eigene Abteilung für Kinder, deshalb haben wir uns für dieses Spital entschieden. Die Straßen sind um diese Zeit menschenleer.

Der Taxifahrer fragt, was los ist. Wir erzählen es ihm. Er sagt, dass seine Tochter, sie ist 9 Monate alt, ebenfalls vor kurzem krank war und das seine Frau mit ihr ins Spital gehen musste. Auf unsere Frage hin, in welche Spital sie gegangen sind, erklärt er uns, dass seine Familie in Pakistan lebt. Er fährt in Dubai Taxi, damit seine Familie finanziell versorgt ist. Wieder so eine Geschichte bei der ich mitfühle. Ich gebe ihm ein gutes Trinkgeld. Wir checken im Spital ein.

Die Notaufnahme ist leer. Außer uns, den beiden Rezeptionisten und einem kotzenden Kind mit Eltern ist niemand sonst dort. Unsere Daten werden erfasst, dann werden wir in einen großen Behandlungsraum geführt. Dort warten wir auf den Arzt. Wenig später kommt eine Ärztin ins Zimmer. Zuerst wird das kotzende Kind behandelt, dann kommt sie zu uns. Sie horcht Hannah ab, durchleuchtet alle Öffnungen im Kopfbereich, misst den Puls und sagt in ihrem Indian-Englisch, dass Hannah dehydriert ist. Außerdem kann ein Bluttest mehr darüber aussagen, warum es ihr nicht gut geht. Deshalb wird Hannah, bevor sie eine Sodiumchlorid-Lösung verabreicht bekommt, noch Blut abgenommen.

Don’t cry, little baby!

Das macht aber nicht die Ärztin, sondern eine Schwester. Dazu wird Hannahs Arm abgebunden, eine Nadelspitze in die Vene eingeführt und eine Kanüle angeschlossen. “Oooh. Don’t cry, little baby. Oooh”, sagt die junge süd-ost-Asiatische Schwester. Das erste Blut fließt gut, dann stockt es. Woraufhin die Schwester den kleinen Arm packt und ihn zusammendrückt, als wäre er eine Zitrone, die ausgepresst werden muss. “Oooh. Don’t cry, little baby. Oooh.” Immerhin, das Blut fließt danach wieder ausreichend. Anschließend bekommt Hannah 100ml Sodium Chlorid (0,9%) per Tropf direkt ins Blut. Der Rest ist Warten – darauf, dass die Lösung in Hannahs Blut ist und darauf, dass das Blutbild kommt.

Ich stelle fest, dass mein Telefon nicht mehr da ist. Ich habe es im Taxi liegen lassen, mitten in Dubai. “Super”, denke ich schläfrig und gehe zum Empfang, um zu fragen, ob ich es vielleicht doch dort habe liegen lassen. Habe ich nicht. Netterweise ruft der Mann an der Rezeption auf meinem Handy an. Mein erster Gedanke: “Ob der Taxifahrer rangeht? Das Telefon ist 1.000 Euro wert. Das ist mindestens ein Monatslohn, vermutlich mehr.” Der Taxifahrer geht ran und sagt, dass er gerade auf dem Weg zum Flughafen ist. Er will das Telefon danach zum Spital bringen. “Cool”, denke ich und schlurfe zurück zu meinen Frauen. Die liegen auf der Liege, die große wach, die kleine schlafend.

100 Dirham für ein iPhone 8 Plus

Der Rest ist schnell erzählt. Eine Stunde später ist die gesamte Lösung in Hannahs Venen und das Blutbild kurz darauf auch fertig. Keine bakterielle Infektion, aber Anzeichen für einen viralen Infekt. Gut. Also weiterhin Zäpfchen gegen das Fiber geben, Muttermilch trinken (wenn sie mitmacht) und abwarten. Mittlerweile wurde der Taxifahrer zu uns geführt. Er überreicht mit das Telefon, ich bedanke mich und gebe ihm 100 Dirham. Das sind 25 Euro. Er sagt “No, it’s too much!” Ich sage: “No, it’s for you and your family. Thank you so much.” Hinter uns sagt die Schwester zu einem anderen Baby: “Oooh, don’t cry, little baby. Oooh…”

Uns wird angeboten, 24 Stunden im Spital zu bleiben. Wir lehnen ab. Hannah geht es deutlich besser. Ihre Energie ist zurück. Sie ist wieder “unsere” Hannah. Mittlerweile ist es 8 Uhr am Morgen. Wir haben knapp vier Stunden im Spital verbracht. Die Behandlung inklusive aller Tests kostet 1.200 Dirham, also ca. 300 Euro. Ich freue mich, dass wir eine Reiseversicherung abgeschlossen haben. Ich hatte gehofft, sie nicht zu brauchen, jetzt bin ich dankbar, dass wir sie haben. Vor allem aber bin ich wieder einmal dankbar etwas Neues erlebt zu haben. Ich jammere nicht, nein, ich genieße müde und erleichtert die Rückfahrt zum Hotel. Dubai erwacht gerade aus seinem Schlaf, die Straßen füllen sich und wir sehen einen Teil der Stadt, den wir vorher noch nicht kannten.

Müde und happy

Um halb 9 Uhr sind wir wieder im Hotel und treffen unsere Theaterkollegen beim Frühstück. Während wir Kaffee trinken, Obst und Waffeln essen, erzählen wir unsere kleine Abenteuergeschichte. Wir sind müde und happy. Hannah ist noch nicht voll gesund, aber auf dem besten Weg der Besserung. Und tatsächlich, innerhalb der nächsten Stunden wird das Fieber verschwinden. Was folgt ist Ausschlag nahezu am ganzen Körper, aber das ist normal, wissen wir jetzt. Das wird auch unsere Kinderärztin bestätigen, der wir via WhatsApp ein Foto schicken konnten. Der Rest ist Ruhe. Bettruhe. Tja, wie heißt es doch so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Während die Frauen sich erholen, mache ich einen Nachmittagsausflug in die “Old Town” von Dubai, die natürlich nicht wirklich old ist. Aber spannend ist sie, voller neuer Eindrücke und Verkäufer, die etwas verkaufen wollen. “Do you want a genuine fake watch?” fragt einer. Ich schüttle meinen Kopf und lache. Nein, ich habe alles, was ich brauche. Ein bisschen Sonne und vor allem eine mehr oder weniger gesunde Familie.

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.