Der frühe Papa fängt den Wurm

Kennst du das auch? Du liegst am Morgen auf einmal wach im Bett, weil dein Kind soeben aufgewacht ist. Du bist noch müde, nach einer gefühlt kurzen Nacht mit vielen Füßen und Händen im Gesicht. Du würdest gerne liegen bleiben, weil du noch ein wenig ausruhen möchtest. Ist die Nacht wirklich schon vorbei? Deine Träume verschwinden unauffindbar in einem Nebel, dein Kopf schaltet hart in den ToDo-Modus für den bevorstehenden Tag.

Zum Glück gibt es all die Routinen, die dir dabei helfen den Tag zu meistern. Aufstehen, Frühstück zubereiten, das Kind versorgen, mit dem Partner einchecken, das Kind versorgen, sich selbst irgendwie für den Tag herrichten, das Kind versorgen. Ich nenne das Reaktions-Modus. Du bist von der ersten Sekunde an, nach dem Aufwachen, fremdbestimmt. Du reagierst nur noch.

Die ersten grauen Haare

Und das ist okay, wenn du dabei im Moment sein kannst, wenn du dein Leben vollends genießt so wie es ist. Aber wer kann das schon? Bei mir artet so etwas oft in Stress aus. Und langfristig bekomme ich graue Haare. Okay, vielleicht bekomme ich die eh gerade und es beschäftigt mich.

Mein Leben ist so dicht wie nie. Ein Kind ist mehr als eine Vollzeitstelle. Vor allem dann, wenn du dich viel mit deinem Kind beschäftigst, in dem du als Vater präsent bist. Wir, meine Partnerin und ich, leben in einer Partnerschaft, in der wir uns die Erziehung des Kindes teilen. Ich bin nicht der 100%-Working-Dad. Wir agieren in Beruf und Familie auf Augenhöhe. Da sind klare Absprachen, eine gute Organisation und Flexibilität vonnöten.

Homeoffice bis die Töpfe klappern

Diesen Beitrag kann ich zum Beispiel nur schreiben, weil ich den Morgen nach Absprache im Homeoffice bis zum Mittagessen arbeiten darf, während meine Partnerin auf die Kleine schaut. Ab dem Mittagessen bin ich verantwortlich. Ich höre in der Küche schon die Töpfe klappern. Die Zeit drängt. Es ist 12 Uhr, gleich gibt es essen, den Rest des Tages werde ich mit meiner Tochter verbringen. Ich freue mich drauf.

Es macht Spaß Papa zu sein, voll darin aufzugehen. Es ist aber auch gefährlich, denn in etwas aufzugehen kann auch schnell in sich selbst komplett in etwas verlieren kippen, beides liegt dicht beieinander. Ich hoffe du verstehst, was ich damit meine?

Wie geht es mit mir und meinem Leben weiter?

Ich frage mich seit einiger Zeit, wie es mit mir und meinem Leben weitergeht? Wo geht es für mich persönlich hin? Wo soll es für mich neben all dieser väterlichen und partnerschaftlichen Geschäftigkeit im Leben noch hingehen? Und vor allem: Wie komme ich dazu, mir über mich selbst und meinen eigenen Weg entspannt und ausführlich Gedanken zu machen?

Ja, da spielt gewiss auch die Angst mit, irgendwann wie aus einem schlechten Traum aufzuwachen und festzustellen: “Da habe ich ein Kind großgezogen und all die Jahre funktioniert, doch wo bin ich in der Zeit geblieben?” Das heisst nicht, dass die anderen hinten anstehen sollen und es nur um mich geht. Alle sind wichtig, auch ich selbst als Papa und Mensch.

Leben ist now!

Ich bin mir sicher, dass mein Kind am meisten von mir hat, wenn ich auch über die Familie hinaus glücklich bin, aufblühe und Dinge gestalten kann. Das (Wiederbe- ) Leben meiner Selbst (neben dem Dasein als Vater in einer Familie) beginnt für mich nicht erst, wenn das Kind in die Schule geht und/oder ausgezogen ist oder wenn die Rente endlich auf mein Konto überwiesen wird, sprich wenn endlich wieder etwas mehr Zeit da ist.

Das Leben ist immer now, immer hier und jetzt. Also genau jetzt. Heute. In diesem Moment. An einem Montagmorgen. Es gibt ja nur das Hier und jetzt. Alles andere ist eine Illusion des Gedankenwelt. Dazu habe ich an anderer Stelle schonmal etwas geschrieben.

Ich bin kein Superdad

Das sind die Gedanken eines Vaters, der seine Familie liebt, dem persönliche Entwicklung und Freiheit aber genauso wichtig sind. Das mag egoistisch sein, aber so ist es. Jedenfalls bei mir. Ich bin kein Superdad der 24/7 nur für Frau und Kind leben will. Ich will mit ihnen leben, aber ich will auch mein eigenes Leben weiter gestalten. Davon haben am Ende alle mehr.

“Die Gestaltung meines eigenen Lebens und meiner außenfamiliären Wünsche? Sven, woher soll ich mir die Zeit dafür nehmen?, wird der ein oder andere jetzt berechtigterweise fragen. “Abends bin ich müde, abends schlafe ich oft neben meiner Tochter ein. Ganz sicher bin ich nicht mehr dazu imstande, abends, nach einem langen Tag, mein Leben neu aufzustellen.” Stimmt. Das ist auch meine Erkenntnis. Die Lösung: Fange am Morgen damit an, bevor alle anderen aufstehen. Ich vor meiner Familie auf. Genauer gesagt sehr viel früher. Um 5 Uhr. 

Werde zum Herr “deines” Tages

Verrückt? Bekloppt? Bescheuert? Mag sein, aber es hat mir wieder Zeit und Raum zum Atmen gegeben. Egal ob “Miracle Morning” von Hal Elrod oder der “5am Club” von Robin Sharma. Sie alle sagen das gleiche: Früh am Morgen ist die beste Zeit, um für dich selbst zu sorgen. Früh am Morgen startest du in einen neuen Tag. Und nur wenn du am Morgen statt zu Reagieren schon ins Agieren kommst, hast du die realistische Chance etwas in deinem Leben nachhaltig zu verändern. Du wirst zum Herr “deines” Tages. Eine coole Erkenntnis für mich als Papi. 

Ich habe es mir tatsächlich zur Gewohnheit gemacht, morgens so früh aufzustehen wir nur irgendwie möglich. 5 Uhr ist ideal. Es klappt nicht immer, aber immer öfter. Schlafmangel ist keine Option, mindestens 6 Stunden sollen es sein, eher 7,5. Das heißt auch, dass ich abends früher ins Bett gehe. Das Resultat ist erstaunlich: Ich bin viel mehr bei mir selbst und damit, dada, auch viel mehr bei den anderen, sobald sie aufgestanden sind.

Meine morgendliche Routine besteht zur Zeit vor allem aus:

  • Rehydrieren (zwei Gläser Wasser, oft ein Kaffee zum wachwerden)
  • Atemübungen (á la Wim Hof)
  • Meditation
  • 6-Minuten-Tagebuch schreiben (Fokus auf das Gute setzen, Dankbarkeit zeigen, etwas für den Tag vornehmen)
  • Bewegung (Stretching, Yoga oder ein kurzer Run)
  • Wo stehe ich? Was brauche ich? Was kann ich heute dafür tun?
  • Duschen

Wenn ich um 5 Uhr aufgestanden bin und all das gegen 6 Uhr geschafft habe, dann habe ich das Gefühl, etwas für mich getan zu haben. Egal was dann noch kommt, ich bin on track. Oft habe ich sogar noch etwas länger Zeit, je nach Absprache mit meiner Partnerin. Der Rest des Tages gehört dann entweder der Arbeit oder der Familie. Ich muss nicht mehr so viel an mich denken, da ich das schon am Morgen erledigt habe.

Perfektion ist gut aber nicht immer möglich

Ich werde auf all das noch ausführlicher eingehen, vermutlich in einer papapo-Podcastfolge. Doch jetzt ist Mittagszeit und ich habe andere Aufgaben zu erledigen. Damit ich ein Häkchen hinter das ToDo Blogartikel machen kann, werde ich diesen Beitrag umgehend veröffentlichen. Mit allen Unfertigkeiten und Fehlern. Auch das habe ich gelernt: Perfektion ist gut, aber nicht immer im Bereich des Möglichen.

Ach ja, heute bin ich übrigens erst um 6 Uhr aufgestanden, weil wir gestern Abend noch “Stadt, Land, Fluss” gespielt haben. Beziehungspflege. Das hat uns gut getan und wäre ich um 5 Uhr aufgestanden, hätte ich nicht einmal 6 Stunden geschlafen. Ich hatte trotzdem meine magische Stunde, denn Frau und Kind haben länger geschlafen. Das ist ein Luxus, den wir haben, da wir oft am Abend schaffen. Wenn du sehr früh los musst, kannst du auch um 4 Uhr aufstehen, wenn dir das hilft. Egal wann und wie, nimm dir Zeit für dich selbst, davon profitieren alle. Aber verzichte nicht auf Schlaf.

In diesem Sinne: Der frühe Papa fängt den Wurm statt vom Leben gewurmt zu sein. Ich hoffe, du fühlst dich inspiriert. Lass es mich wissen und kommentiere diesen Beitrag. Danke vielmals.

 

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